SG Präsidentin Mente, erweitern Sie Ihren literarischen Horizont

“Foul whisperings are abroad: unnatural deeds
Do breed unnatural troubles: infected minds
To their deaf pillows will discharge their secrets:
More needs she the divine than the physician.”

Macbeth

Frau Bayerische Voralpen Präsidentin des SG München Mente,

Darf ich Ihnen meine ungeteilte Anerkennung aussprechen, wie Sie die Last der präsidialen Führung eines Gerichts im Land des Kleinen Diebischen Bergvolks und zeitgleich, so scheints zumindest bis dato über dreizehn opulente Monate gestreckt, die Aktualisierung der Münchner Staatsanwaltschaft über Ihre juristischen Bedenken, solid fussend auf dem Strafgesetzbuch des Norddeutschen Bunds, das nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs zum Reichsstrafgesetzbuch weiterentwickelt wurde, souverän balancieren. Dies unter der trügenden Annahme des bemalten Schleiers.

“False face must hide what the false heart doth know”

Wir erinnern uns, wie Friedrich Wilhelm I. 1722 den klevischen Adligen bescheinigte, sie seien „dume Oxen aber maliciös [bösartig] wie der deuffel. Auf ihre Privilegia sein sie sehr gesteuret [bedacht]“. Überhaupt, „die Nacion ist sehr intrigandt und fals dabey und sauffen wie die bester [Biester] mehr wissen sie nichts…“

In Ihrem sub rosa Schreiben vom 10.08.2020 (Exhibit 27) an die Staatsanwaltschaft echauffieren Sie sich über Titulierung von “Richter” & Aide-de-Camp Ehegartner als “Punkha Wallah im Zenana” (Exhibit 31) des Jobcenter München.

Als Präsidentin, onduliert mit einem Titel der eitlen Nabelschau gereichend, hätte sich angeboten, zunächst ein wenig Quellenforschung zu betreiben, bevor Sie in die Rolle der Exegetin schlüpfen. Die digitalen Interwellen sind ein ideales Medium, denn dieses Simile als Beleidigung anzusehen, zeugt von illiterater Einfältigkeit. Es gibt ausserhalb des bayerischen Miefs eine Weltliteratur, Sozialgerichts Obfrau. Nutzen Sie das Angebot, sie wirken dann weniger philisterhaft.

In ‘A Passage to India’ beschreibt E. M. Forster die bekannte Szene, die noch dazu in einem Gericht spielt. Madame Präsidentin hätte dieses in zwei Minuten googlen und gleichzeitig ihren literarischen Horizont erweitern können. Jane Austen schrieb einmal, “The person, be it gentleman or lady, who has not pleasure in a good novel, must be intolerably stupid”. Hatte Jane Austen das Plaisier, Ihre Bekanntschaft zu machen, Frau Präsidentin?

So Sie nun vielleicht geneigt sind, feiner Prosa Ihr Gehör zu schenken, sei hier ein Exzerpt aus der Novelle geboten:

“Der Hof war überfüllt und natürlich sehr heiß, und die erste Person, die Adela darin bemerkte, war die bescheidenste aller Anwesenden, eine Person, die offiziell nichts mit dem Prozess zu tun hatte: der Mann, der die Punkah zog. Er saß fast nackt und prächtig geformt auf einem erhöhten Podest in der Mitte des Mittelganges, und er erregte ihre Aufmerksamkeit, als sie hereinkam, und er schien das Geschehen zu kontrollieren. Er hatte die Kraft und die Schönheit, die manchmal in Indern von niedriger Geburt zur Blüte kommen. Wenn diese seltsame Rasse sich dem Staub nähert und als unantastbar verurteilt wird, dann erinnert sich die Natur an die körperliche Vollkommenheit, die sie anderswo erreicht hat, und wirft einen Gott heraus – nicht viele, aber hier und da einen, um der Gesellschaft zu beweisen, wie wenig ihre Kategorien sie beeindrucken. Dieser Mann wäre überall bemerkenswert gewesen: Unter den dünnhäutigen, flachbrüstigen Mittelmäßigkeiten von Chandrapore stach er als göttlich hervor, doch er war von der Stadt, ihr Müll hatte ihn genährt, er würde auf ihren Müllhalden enden. Er zog das Seil zu sich heran, entspannte es rhythmisch, schickte Luftwirbel über andere, empfing selbst keine, er schien abseits menschlicher Schicksale zu stehen, ein männliches Schicksal, ein Winzer der Seelen. Ihm gegenüber, ebenfalls auf einem Podest, saß der kleine Hilfsrichter, kultiviert, selbstbewusst und gewissenhaft.”

Edel, nicht wahr? Es wirkt in Bayern wie Perlen vor die Säue geworfen.

Ein Zenana ist ein Ort der Sicherheit und des Wohlbefindens für Frauen der Mughal Hoffamilie von Kindern bis hinauf zu den Ältesten. Die geschätzte Sozialgerichtspräsidentin sollte ihre auf laxem Denken fussende Einschätzung diskontieren. Sie desavouiert sich damit als Rassistin und Befürworterin des Kastensystems. Die Präsidentin merkt offensichtlich nicht, wie ich das Wort punkha wallah elegant eingebunden habe. Language games, oder wie Wittgenstein sagte, “Was ich erfinde, sind neue Similes.” Vielleicht liegt es auch darin begründet, dass ich, Gott seis gepfiffen, nicht aus der Bauerntrampel Provinz stamme.

Wittgenstein in ‘Culture and Value’: “People nowadays think, scientists are there to instruct them, poets, musicians, etc. to entertain them. That the latter have something to teach them; that never occurs to them.”

Carpe diem

SG München Präsidentin Mente, Ihre linguistische Souplesse stolperte über die Funktion eines Kommas

“Let not light see my black and deep desires.”

“All the perfumes of Arabia will not sweeten this little hand.”
Lady Macbeth

Präsidentin Mente,

Über einen opulenten Zeitraum von dreizehn Monaten widmeten Sie sich in beamtentypisch altruistischer Manier der verlässlichen Versorgung der Münchner Staatsanwaltschaft mit Material, das Ihrem provinziellen Empfinden nach den ehrenwerten Gunga Din des Jobcenter München, “Richter” Ehegartner, diskreditiert. Der Schatten der Heimlichkeit bekam Ihnen gut, so dachten Sie.

Come, you spirits
That tend on mortal thoughts, unsex me here,
And fill me from the crown to the toe top-full
Of direst cruelty!

Fein drapiert mit einem Titel der jurisdiktionellen Eitelkeit befruchteten Sie Ihren provinziellen Geist, gaben Sie ihm Inhalt. Als Voralpen Präsidentin dem sozialjustiziellen Ambiente Ihre Expertise gewährend, verliehen Sie Ihrer Diktion linguistische Souplesse an den “sehr geehrten Herr Ltd. Oberstaatsanwalt Kornprobst”.

“Look like the time; bear welcome in your eye,
Your hand, your tongue: look like the innocent flower,
But be the serpent under’t.”

Allein, so dünkt mich, waren Ihnen nicht alle der Zehn Funktionen eines Kommas gewärtig. Das betrübt, wo Sie doch sonst zerebral-hochoktanig in sieben Schreiben die Münchner Staatsanwaltschaft mit Ihrem femininen Fracksausen betörten.

So hegten Sie Ressentiments gegenüber dem Satz “So wird neoliberale Wirtschaftspolitik in einer Demokratie juristisch exekutiert, Roland Freisler.” Sie bitten sich aus in Ihrem Schreiben vom 02.06.2020 an die Staatsanwaltschaft (Exhibit 2 der Akte), “insbesondere Vergleiche mit der NS-Zeit zu unterlassen”. Davvero?

Warum befleissigen Sie sich nicht und konsultieren in Ihrer Einfältigkeit den Philosophen Ludwig Wittgenstein und seine Philosophischen Untersuchungen? Wie oft muss er Ihnen im nacheiszeitlichen Bayern noch mitteilen,

“Wo es einen Sinn gibt, muss es eine vollkommene Ordnung geben – also muss es auch im vagesten Satz eine vollkommene Ordnung geben.

§ 99. Der Sinn eines Satzes – möchte man sagen – kann natürlich dieses oder jenes offen lassen, aber der Satz muss trotzdem einen bestimmten Sinn haben. Ein unbestimmter Sinn – das wäre eigentlich gar kein Sinn”?

Warum nehmen Sie nicht Kenntnis von der Funktion der Interpunktion? Will sagen, ist Ihnen nicht das Komma aufgefallen? Wo lassen Sie denken, Frau Präsidentin?

Und nun ganz langsam für Sie. Der von Ihnen inkriminierend empfundene Satz ist, for fuck’s sake, ein Vokativ! “So wird neoliberale Wirtschaftspolitik in einer Demokratie juristisch exekutiert, Roland Freisler.”

Sie sind nicht in der Lage, den Satz zu verstehen. Die Insinuierung bleibt Ihnen offensichtlich verschlossen. Der Satz bedeutet, dass neoliberale Exportwirtschaft dem kruden Faschismus in einer globalen Wirtschaft überlegen ist. DIESE Person Roland Freisler wird angesprochen und daran erinnert.

Ludwig Wittgenstein in § 421 der Philosophischen Untersuchungen:

“Sieh den Satz als Instrument an, und seinen Sinn als seine Verwendung!

§ 435. Wenn die Frage gestellt wird: “Wie schaffen es Sätze, zu repräsentieren?”, könnte die Antwort lauten: “Weißt du das nicht? Man sieht es doch, wenn man sie benutzt.” Denn nichts ist verborgen.
Wie machen es Sätze?-Weisst du es denn nicht? Es ist ja nichts versteckt.”

Arbeiten Sie an sich, Präsidentin eines Sozialgerichts und kehren Sie auf den Boden des Grundgesetzes zurück.

Di niente